Video: Auto-Fernsteuerung per 4G ausprobiert

Wir haben eine Runde auf der Landebahn von Tegel gedreht - aus sicherer Entfernung.

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Auto-Fernsteuerung per 4G ausprobiert

Der estnische Carsharing-Anbieter Elmo will einen Teil seiner 140 Elektroautos umfassenden Flotte auf Fernlenkung umrüsten. Zur Vorstellung seines neuen Geschäftsmodells hatte Elmo-CEO Enn Laansoo einen Prototypen nach Berlin gebracht.

Dieser besteht aus zwei Komponenten: einem umgerüsteten Nissan Leaf, der mit Kameras, Rechner, Funktechnik sowie einem Mikrofon ausgestattet ist, und einem PC samt Gamingzubehör und Breitbildmonitor für die Steuerung. Der Nissan Leaf stand einige Kilometer weiter auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tegel und war aus Sicherheitsgründen mit dem Technikchef von Elmo besetzt - auf dem Beifahrersitz. Wir hingegen konnten aus der Ferne in das Cockpit schauen und schließlich sogar die Steuerung übernehmen.¬† Die Idee hinter dem Konzept ist einfach:

Elmo profitiert von einer Gesetzeslücke in Estland: So muss ein Fahrzeug von einem realen Menschen gelenkt werden, es ist jedoch nicht festgelegt, wo sich dieser befindet. So konnte das Unternehmen seine ersten Tests ziemlich schnell auf öffentlichen Straßen durchführen und Daten sammeln.¬†Elmos Prototyp ist beidseitig auf das 4G-Mobilfunknetz angewiesen. Er braucht eine stabile Verbindung und mindestens 5 Mbit/s an Bandbreite.

Das klappte beim Ausprobieren nicht immer perfekt. Zwar konnten wir dank der sechs verbauten Kameras unsere Strecke und das gesamte Umfeld gut erkennen - aber während unserer Probefahrt kam es immer wieder zu starker Artefaktbildung, die die Sicht verschlechterte. Der Videostream passt sich der vorhandenen Bandbreite an, die Auflösung verringert sich, wenn nicht genügend Daten übertragen werden können.

Wir konnten mangels Kopfhörer weder hören, was in und um das Auto vorging, noch gab es haptisches Feedback. Die Komponenten des virtuellen Cockpits sind ebenso wie die eingesetzte Hardware am Auto Standardgeräte. Das senkt den Preis der Umrüstung auf geschätzte 4.000 Euro.

Im Falle eines kompletten Verbindungsabbruchs bleiben die Nissans übrigens einfach sofort stehen - was je nach Situation auch zu Unfällen führen könnte. Das ist einer der Gründe, warum wir Elmos Fernsteuerung und auch andere derartige Ideen in naher Zukunft in Deutschland eher nicht im Einsatz sehen werden.

In Estland hingegen sollen die ersten 20 Fahrzeuge innerhalb der nächsten sechs Monate auf die Straße kommen.

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