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Video: Age of Empires (1997) - Golem retro_

Unsere "Golem retro_"-Episode zu Age of Empires.

Video veröffentlicht am
Age of Empires (1997) - Golem retro_

Mit lautem „Wololo“ in die Geschichte eingehen

Dunkler Nebel zieht auf. Hopliten und Kavallerie stürmen auf eine prunkvolle Tempelanlage zu. Die Verteidiger formieren sich, feuern eine Salve Pfeile auf die gegnerische Formation ab. Auf offener Fläche treffen gepanzerte Fußsoldaten und Reiter aufeinander. Es ist eine Ära des Kampfes, in der die Sieger die Geschichte schreiben. Damit ist nicht etwa die Antike, sondern das Jahr 1997 gemeint. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Echtzeitstrategieklassiker Age of Empires des Spiele-Entwicklers Ensemble Studios die Serie auf einen Pfad des Erfolges führen.

Aus heutiger Sicht

Schon beim Intro-Video wurde klar, dass den Spieler ein damals noch unverbrauchtes, historisches Szenario in der Zeit der Hochkulturen, Feldherren und Philosophen erwartete. Er übernahm die Kontrolle über eine von insgesamt 12 Fraktionen, um die Herrschaft über eine rautenförmige Spielkarte zu erlangen. Ensemble Studios ließ sich stark von Command & Conquer und Starcraft inspirieren und garnierte die eigene Echtzeit-Strategie mit einem Hauch Civilization. Das verdeutlichte sich beim Setting sehr gut.

Doch zu Beginn aller Partien war von epischen Schlachten nichts zu sehen. Spieler starteten mit einer Handvoll Dorfbewohnern und einem Dorfzentrum. In der für damalige Verhältnisse wunderschönen, isometrischen 2D-Welt wurde ein Auswahlrahmen um die Einheiten gezogen und der dunkle Nebel des Krieges Stück für Stück erkundet.

Direkt fiel auf, wie detailliert die Animationen der Figuren auf dem Bildschirm waren: Sie liefen, schlugen und starben sogar in einer flüssigen Bewegung. Der Look der Benutzeroberfläche erinnerte dagegen direkt an das kantige, sterile Aussehen von Word oder Excel. Man merkte dem Programm seine Windows-Verwandtschaft schnell an.

Ungewöhnlich war die große Auswahl an Ressourcen, die es zu sammeln gab. Nahrung, Gold, Steine und Holz waren auf den zufallsgenerierten Karten verteilt und mussten für eine florierende Nation abgebaut werden. Die maximale Anzahl an Einheiten wurde durch Häuser erhöht. So wurde stets aus einem kleinen Dorf bald ein Gewusel aus Arbeitern und Wohnhäusern.

Schnell wurde dem Spieler klar, dass das eigene Volk wie bei Civilization in der Zeit voranschreiten konnte. Die Altsteinzeit war nämlich nur eine von vier Epochen. Der Aufstieg in eine modernere Epoche war stets ein Highlight und wurde daher auch grafisch entsprechend präsentiert.

Auch die Geräuschkulisse war sehr atmosphärisch und hatte einen ganz eigenen Charakter. Jeder erinnert sich noch heute an das Klirren der Äxte und Schwerter, die originellen in der jeweiligen Sprache verwurzelten Wortmeldungen der Einheiten, das martialische Sterbegeräusch von Kämpfern oder das Pfeifen eines Wachturms. Jedes Gebäude und jede Einheit hatte ihren individuellen Klang. Das Gebet eines Priesters ist sogar stellvertretend für die Serie und zum Internet-Meme geworden: Wololo!

Die Einheiten waren nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip aufeinander abgestimmt und boten viel Raum zum Experimentieren.

Desweiteren konnte das Geschichtswissen durch vier historische Kampagnen gefestigt werden. Der Spieler begleitete so beispielsweise Ägypten von einem Jäger-und-Sammler-Stamm zu einer Hochkultur am Ufer des Nils. Dabei lauerten ständig neue Gefahren im Nebel: Was versteckt sich in dem Wäldchen im Norden? Ist mir die kürzlich entdeckte Zivilisation freundlich gesinnt? Jede neue Mission hielt andere Abenteuer für das eigene Volk bereit. Der hohe Schwierigkeitsgrad der KI-Mitspieler war dabei stets fordernd, konnte er doch einzelne Einheiten effizient, getrennt voneinander steuern, auf dieser Art unmöglich für einen menschlichen Spieler.

Die Römer machen alles besser

Age of Empires hatte nach seinem Release 1997 bereits ein paar sehr nervige Probleme. So konnte immer nur eine Einheit pro Gebäude gebaut werden. Eine Ausbildungsschleife fehlte komplett. Außerdem war die Wegfindung haarsträubend schlecht umgesetzt. Figuren standen sich im Weg oder verliefen sich einzeln im Wald. Formationen oder Grundbefehle wie Patroullieren oder Position halten fehlten - Micromanagement war dadurch unerlässlich.

Einige dieser Aspekte sollten sich mit der Erweiterung The Rise of Rome bessern. Damit konnten Produktionsgebäude Soldaten in Reihen produzieren. Außerdem wurde das Bevölkerungslimit von mageren 50 Einheiten auf maximal 200 Einheiten angehoben. Dadurch waren mehr Taktiken und Armeekompositionen möglich.

Außerdem: Was ist die Antike schon ohne die Römer? Das Addon fügte dieses und drei andere Völker ein und brachte auch ein neues Grafikset für Gebäude. Erst Rise of Rome machte Age of Empires zu einem gut spielbaren Titel. Jedenfalls offline - auf LAN-Parties hatte Age of Empires schnell den Ruf, äußerst instabil zu laufen, häufige Abstürze oder asynchrone Spiele waren die Folge. Dafür sorgten auf Wunsch die originellen Cheats mit Extra-Einheiten oder originelle selbst erstellte Karten im mitgelieferten Editor auch im Multiplayer für Spaß.

Einfluss und der Schatten des großen Nachfolgers

Viele Dinge an Age of Empires inspirierten kommende Echtzeitstrategiespiele wie etwa Cossacks, Rise of Nations oder Empire Earth. Die Idee, eine Zivilisation durch zeitliche Epochen zu führen und mehr als nur Credits oder Tiberium sammeln zu müssen, waren Herausstellungsmerkmale.

Allerdings waren gerade die schlechte KI und nicht integrierte Komfortfunktionen Gründe, warum das Spiel heutzutage nicht mehr zeitgemäß wirkt. Daran konnte auch die Erweiterung nichts ändern.

Ein anderer Grund ist da noch offensichtlicher: Age of Empires 2. Ensemble Studios Fortsetzung der Reihe war bereits 1999 in allen Punkten einfach besser als sein Vorgänger. Die grundlegende Formel des Basisbaus und dem Entwickeln von Epochen und Technologien blieb dabei erhalten.

Der große Unterschied war jedoch, dass sich Age 2 flüssiger und komfortabler spielte. Es konnten Sammelpunkte gesetzt werden Formationen gebildet werden und schon von Anfang an riesige Armeen aufeinandertreffen. Dort fühlte sich der Spieler tatsächlich wie ein großer Feldherr. Durch das Errichten von stärker werdenden Burgmauern war Teil 2 auch etwas für Spieler, die sich gerne einigelten und ihre Basis verteidigen wollten.

Age of Empires heute spielen

Aus den genannten Gründen fasziniert Age of Empires 2 auch heute noch viel mehr Spieler - nicht zuletzt, seit das Spiel als HD-Remake auf Steam angeboten wird.

Fans des Ur-Age of Empires freuen sich aber ebenfalls über ein HD-Remake. Sollte dort die schlechte Wegfindung und fehlender Bedienungskomfort ausgebessert werden, könnte der Ursprung von Age of Empires endlich die würdige Alternative zu dem ansonsten so überlegenen zweiten Teil werden. Wir wünschen uns das. Denn die urzeitlichen Epochen verströmen ihren ganz eigenen einnehmenden Flair.

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