Video: Super Mario 64 - Golem retro_

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Super Mario 64 - Golem retro_

In den neunziger Jahren wurde ein kleiner Klempner mit Knubbelnase, Schnurrbart und roter Mütze zum Symbol für den japanischen Nintendo-Konzern. Super Mario hatte bereits das 2D-Jump-'n'-Run der breiten Masse präsentiert. Im Jahr 1996 brachte Nintendo seine erste für 3D-Grafik optimierte Spielekonsole heraus – das Nintendo 64. Mit ihm kam auch Super Mario 64, einer von nur zwei Launch-Titeln. Dem Erfolg der Konsole stand das nicht im Weg. Super Mario 64 selbst verkaufte sich fast 12-millionenmal und ist auch 25 Jahre später noch ein genredefinierendes Spiel. Es ist so zeitlos, dass es auch heute noch eine lebendige Community aus Fans und Speedrunnern gibt, die sich jedes Mal aufs Neue auf die Suche nach den 120 Sternen begeben.

Der Ruhm ist verdient, denn mit Super Mario 64 hat Nintendo eine völlig neue Art des Spielens massentauglich gemacht. Sprangen und liefen wir zuvor in maximal acht Richtungen durch ein Level, bekamen wir in Super Mario 64 eine feinere Kontrolle. Möglich machte das der Analogstick des N64-Controllers – eine Technik, die seit den Zeiten der Spielhallen-Automaten praktisch nicht mehr genutzt wurde.

Durch den Analogstick konnte sich Mario in alle möglichen Richtungen bewegen und so bunte und fantasievolle 3D-Welten erkunden. Die sind vollgestopft mit Geheimnissen, Puzzles und aus vergangenen Mario-Spielen bekannten Figuren. Ob wir in Bob-Ombs Bombenberg einen steilen Hügel erklimmen und Metallkugeln ausweichen, in der Piratenbucht-Panik Fischen und Muscheln hinterherjagen oder in Regenbogen-Raserei unsere Sprungkünste auf die Probe stellen: Mario 64 ist vollgestopft mit spannenden Herausforderungen und teilweise sehr schweren Passagen.

Anfangs erwartete uns jedoch eine der größten Tücken: Die damals völlig neue und sehr präzise Steuerung unserer Spielfigur in den Griff zu bekommen und dabei nicht den Überblick zu verlieren. Das Team unter der Führung von Mario-Erfinder Shigeru Miyamoto tat sein Bestes, um die Kamerawinkel auf Mario so übersichtlich wie möglich zu gestalten. Nicht immer gelang das perfekt.

Zusätzlich zur neuen Bewegungsfreiheit spendierte Nintendo dem kleinen Klempner akrobatische Kräfte der Superklasse. Durch verschiedene Tastenkombinationen konnte Mario erstmals treten, schlagen und über den Boden schlittern. Besonders schwere Manöver wie der Dreisprung, der Weitsprung und der Wandsprung wurden vor allem in späteren Levels überlebensnotwendig.

Wie bei Super-Mario-Titeln zuvor sollten die ersten Level als Übungswiese für unsere Spielfigur dienen. In Welt eins lernten wir Stampfattacken und grundlegende Bewegungen. Spätere Level führten dann immer komplexere Elemente wie Flugpassagen, fiese Bullys, steigende Lava und unbesiegbare Elektroschlangen ein.

Wer erinnert sich nicht an den wütenden Chain-Chomp, die Thwomps mit Rückenproblemen oder die schlafenden Piranhapflanzen? Ikonisch ist auch der Soundtrack. Zum Ersten Mal bekommt Mario zudem eine Stimme: "Mamma mia!"

Wer kennt ihn nicht, den Super-Mario-Soundtrack, der seit dem ersten Super Mario Brothers in 8 Bit aus den Lautsprechern piepste. Mit dem Nintendo 64 und seinem 16-Bit-Stereochip konnten die Komponisten noch kreativer werden. Die Leitung übernahm Nintendo-Veteran Kōji Kondō, Erfinder des legendären Mario-Songs und vieler weiterer Nintendo-Themenmusiken.

In Mario 64 bekamen Fans nicht nur eine völlig neue und komplex abgemischte Version des Mario-Titelsongs, sondern auch viele weitere fröhliche, mysteriöse und dynamische Melodien. Die spiegelten die jeweiligen Level wider, etwa die heitere Fanfare in Bob-Ombs Bombenberg, die sanft klingenden Töne in der Piratenbucht-Panik oder die rasant hetzende Musik in der Regenbogen-Raserei.

Die Mario-Stimme mit gespieltem italienischen Akzent stammte vom US-amerikanischen Schauspieler Charles Andre Martinet. Der lieh später auch Marios grün gekleidetem Bruder Luigi seine Stimme und sollte dies für die nächsten zwei Dekaden tun. Heute sind Marios Keucher, Rufe und kurze gebrochene Sätze zum Symbol der Nintendo-Figur geworden.

Mario 64 setzte durch seine damals enorm innovativen Ideen neue Standards für dreidimensionale Jump-'n'-Run- und Adventure-Spiele. Die werden teilweise heute noch verwendet. Das möglicherweise größte Vermächtnis: Die Steuerung mit dem Analogstick, die im Jahr 2023 nicht mehr von Konsolen wegzudenken ist.

Um das Spiel hat sich zudem eine fast schon fanatische Speedrunning-Community entwickelt. Fans aus aller Welt haben das Mario 64 im Laufe der Jahre quasi perfekt auswendig gelernt und jeden noch so kleinen Bug für Zeitvorteile ausnutzen können. Spieler rutschen durch Wände, umgehen Barrieren mit präzisen Sprungmanövern und überspringen dadurch einen Großteil der Levels. Das Ergebnis: Mario 64 wird derzeit in nur 6 Minuten und 16 Sekunden durchgespielt – ohne auch nur einen einzigen der 120 Sterne einzusammeln.

Solche Schnelldurchläufe sind alles andere als einfach. Vor allem aber sind sie durch ihre skurrilen und absurd anmutenden Aktionen sehr sehenswert. Täglich schauen mehrere Tausend Menschen Speedrunnern auf Streamingplattformen bei ihre schier endlose Jagd nach den besten Zeiten zu. Ziemlich beeindruckend für ein 25 Jahre altes Spiel.

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