Video: Besuch im Testturm Rottweil von Thyssen-Krupp - Bericht

Thyssen-Krupp testet in Baden-Württemberg in einen Turm einen revolutionären Aufzug, der ohne Seile auskommt.

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Besuch im Testturm Rottweil von Thyssen-Krupp - Bericht

Bei verhangenem Himmel versteckt er sich fast in den Wolken: Der Testturm von Thyssen-Krupp im baden-württembergischen Rottweil.

246 Meter geht es hinauf. Die Aussicht ist selbst bei schlechtem Wetter grandios.

Aber wichtiger ist natürlich, was sich im Inneren des Turms befindet: zwölf Aufzugschächte. In neun von ihnen können neue Technologien getestet werden. Denn nicht alles, was vorher am Rechner entworfen wurde, funktioniert auch in der Realität reibungslos. Ingenieur Martin Fetzer und sein Team probieren alle Neuentwicklungen der Aufzugsparte von Thyssen-Krupp aus.

Dabei können sie selbst die Kräfte simulieren, die bei Wind an Hochhäusern wirken. Das 240 Tonnen schwere Gegengewicht oben im Turm lässt sich in Bewegung versetzen – dann schwankt das Gebäude. Das hat beispielsweise Einfluss auf die Stahlseile, an denen die Aufzüge hängen.

Aber Seilaufzüge sind ohnehin nicht die Technologie der Zukunft, wenn es nach Thyssen-Krupp geht. Sie sind nur bis zu gewissen Höhen technisch realisierbar, sie sind zu unflexibel und sie nehmen im Gebäude zu viel Platz weg.

Die Lösung: der Multi.

So heißt das Projekt, das im Testturm gerade die Runde macht – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Der Multi läuft mit einem Linearmotor auf Schienen. Ein Permanentmagnet an der Rückseite der Kabine wird durch magnetisierte Spulen angezogen. Im sogenannten Exchanger fährt der Aufzug dann vertikal. Der Vorteil: es können beliebig viele Kabinen in einem einzigen Schacht fahren.

O-Ton Martin Fetzer, Ingenieur bei Thyssen-Krupp

Und so weit sind sie im Testturm in Rottweil derzeit noch nicht. Die Technik funktioniert zwar wie vorgesehen und auch an Interessenten mangelt es nicht – aber eine Zertifizierung des neuen Aufzuges strebt Thyssen-Krupp erst für 2021 an. Bis dahin arbeiten die Ingenieure noch an einigen Problemfeldern: Wie wirkt sich die ungewohnte Seitwärtsbewegung auf die Passagiere aus? Welche Durchschnittsgeschwindigkeit ist angenehm? Wieviele Kabinen sind sinnvoll einsetzbar, ohne dass es zum Stau kommt?

Während in einem Schacht am Multi geforscht wird, können Besucher des Testturms aber ganz konventionell mit einem Seilaufzug nach oben fahren und die Aussicht genießen. Die Plattform ist ganzjährig an Freitagen, Wochenenden und Feiertagen für das Publikum geöffnet.

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