Video: Kia EV9 im Praxistest
Wir sind mit dem Kia EV9 mehr als 1.500 km unterwegs gewesen.
Mit seinen 5 Metern Länge und 2 Metern Breite ist der Kia EV9 eine wuchtige und imposante Erscheinung im Stadtverkehr. Das SUV des koreanischen Herstellers fällt durch seine markante Form stark auf. Man erntet damit teils entgeisterte Blicke von Passanten. Überzeugen soll der EV9 eher durch sein gut durchdachtes Innenleben. Sowohl vom elektrischen Antrieb her, als auch durch den Komfort von Infotainmentsystem und Sitzen. Das SUV ist mit einem Radstand von 3,1 Metern ein echter Sechs- bis Siebensitzer. Die Kopffreiheit ist auch in der dritten Reihe ausreichend. Sehr praktisch ist dabei die Möglichkeit, die Sitze in der dritten Reihe auf Knopfdruck umklappen zu lassen. Auch die zweite Reihe lässt sich automatisch umklappen. Dann verfügt der EV9 über eine durchgängige Ladefläche von mehr als zwei Metern. Das reicht sogar als Liegefläche zum Übernachten im Auto. Ein besonderer Clou sind die drehbaren Sitze in der zweiten Reihe. Diese lassen sich um 90 Grad zur Tür hindrehen. Das erleichtert das Einsteigen von Personen mit eingeschränkter Mobilität. Kindersitze lassen sich so ebenfalls leichter nutzen. Die Sitze lassen sich darüber hinaus um 180 Grad drehen. Dann können sich Passagiere in der zweiten und dritten Reihe gegenüber sitzen. Bei zwei Erwachsenen ist das ein bisschen eng. Doch praktisch ist es, wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist. Gerade für kleine Kinder ist der Transport entgegen der Fahrtrichtung sicherer. Auf unserer Testfahrt haben wir die Sitze in der dritten Reihe nicht benötigt. Dann gibt es ausreichend Stauraum, für den sich eine zusätzliche Abdeckung anbringen lässt. Unter der Fronthaube befindet sich ebenfalls ein kleines Fach. Darin lässt sich zumindest ein Ladekabel unterbringen. In der Version mit reinem Heckantrieb ist der Stauraum deutlich größer. Die Innenausstattung ähnelt stark derjenigen des Kia EV6. Das betrifft beispielsweise das breite, aber eher niedrige Display. Auch die Bedienelemente am Lenkrad sind im Wesentlichen gleich. Neu ist hingegen der digitale Innenspiegel. Dieser ist sinnvoll, wenn die Sicht durch die Heckscheibe wegen Passagieren oder Gepäck versperrt ist. Sinnvoll finden wir auch die Tote-Winkel-Anzeige im Fahrerdisplay, wenn der Blinker betätigt wird. Nicht überzeugt hat uns weiterhin die Routenplanung auf Langstrecken. Es fehlt beispielsweise die Möglichkeit, den gewünschten Ladestand des Akkus bei Ankunft am Ziel oder an einer Ladestation anzugeben. Daher will das Auto schon bei recht vollem Akku nachladen. Der Verbrauch des Kia EV9 war mit rund 25 Kilowattstunden pro 100 km auf der Testfahrt recht hoch. Das ist bei einem Fahrzeug mit 2,64 Tonnen Leergewicht wohl nicht anders zu erwarten. Dank eines großen Akkus mit rund 100 Kilowattstunden Kapazität ist eine Reichweite von 400 km realistisch. Eine hohe Ladeleistung von mehr als 200 Kilowatt ermöglicht kurze Ladestopps. So haben wir in 20 Minuten eine Energie von 60 Kilowattstunden nachladen können. Das entspricht einer durchschnittlichen Leistung von 177 Kilowatt. Die Assistenzsysteme wie der Abstandsregeltempomat funktionieren recht zuverlässig. Allerdings bildet der EV9 im Stau keine Rettungsgasse. Die erkannten Verkehrszeichen stimmen längst nicht immer, was zu häufigen Fehlwarnungen führt. Der gesetzlich vorgeschrieben Aufmerksamkeitswarner ist dabei sehr scharf eingestellt. Eine kurze Bedienung des Navis reicht schon aus, um ein Augensymbol im Fahrerdisplay aufleuchten und einen Warnton erklingen zu lassen. Gut funktioniert hat hingegen die online-basierte Spracherkennung. Diese erkannte auf Anhieb die gewünschten Reiseziele. Für einen Preis von rund 86.000 Euro bietet die von uns getestete GT-line Launch Edition viele praktische Funktionen. Der Preis ist aber schon in der Oberklasse angesiedelt. Zudem ist der EV9 aufgrund seiner Größe nur eingeschränkt stadttauglich. Die Parkplatzsuche dürfte sich mitunter als schwierig erweisen. Für größere Familien oder Fahrdienste kann das SUV jedoch eine Alternative zu einem Van darstellen. Gerade auf längeren Strecke ermöglicht der EV9 komfortable Reisen.
