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06.12.2017 / 12:04

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Eine Odyssee mit dem E-Golf - Bericht

Wir waren einen Tag lang mit dem E-Golf unterwegs - und haben einiges erlebt.

Eine Odyssee mit dem E-Golf - Bericht

Video: Eine Odyssee mit dem E-Golf - Bericht (5:30)

Auf nach Kyritz an der Knatter! Ganz und gar nicht knatternd, sondern fast geräuschlos verlassen wir an diesem Novembermorgen den Firmenparkplatz. Unsere erste Fahrt im E-Golf führt uns über 100 Kilometer weit in die Mark Brandenburg. Wir wollten an diesem Tag einmal probieren, wie es sich anfühlt, wenn wir relativ unvorbereitet einen Tag mit dem Elektrokleinwagen bestreiten. In Berlin hatten wir in den Tagen zuvor schon Ladestationen in der Umgebung ausgemacht - aber wie würde es auf dem Land aussehen?

Es verspricht, eine entspannte Tour zu werden, die Straßen sind frei. Kaum auf der Autobahn, probieren wir gleich mal den Spurhalteassistenten aus. Bei passender Musik per Bluetooth steigt die Stimmung.

Nach gut zwei Stunden kommen wir in Kyritz an. Wir waren mit gemächlichem Tempo unterwegs, um den Akku zu schonen. Trotzdem kommen wir mit der restlichen Ladung auf keinen Fall wieder zurück. Von unseren 250 Kilometern Reichweite sind weniger als 40 Prozent übrig.

Kein Problem, denken wir – schließlich geht es bei diesem Pressetermin um die Vorstellung eines autonomen und elektrisch angetriebenen Busses. Da wird die Ostprignitz-Ruppiner-Verkehrsgesellschaft ja wohl eine Ladestation besitzen.

Das ist leider ein Trugschluss. An diesem Tag wird lediglich der Start des Projekts bekanntgegeben. Einen Bus und die passende Infrastruktur gibt es frühestens in einem Jahr. So lange können wir nicht warten. Der Chef der Verkehrsbetriebe gibt uns aber netterweise trotzdem ein Kabel.

An einer normalen Steckdose braucht unser E-Golf viel zu lange, um zu laden: Erst nach elf Stunden wäre der Akku voll. Da wir aber keinen vollen Akku brauchen, sondern es nur wieder nach Berlin schaffen müssen, bleiben wir bis zum Anschnitt der Torte, führen ein paar Interviews und hoffen, dass zwei Stunden Ladezeit auch ausreichen.

Zurück am Auto folgt eine unangenehme Überraschung: Der E-Golf hat überhaupt nicht geladen. Ob das Auto schuld ist oder wir einfach zu viel Strom gezogen haben und dadurch eine Sicherung bei den Verkehrsbetrieben durchgebrannt ist – wir wissen es nicht.

Per App suchen wir die nächste Elektrotankstelle. Knapp 40 Kilometer weiter in Neuruppin scheint es eine passende Ladestation zu geben. Sie unterstützt sogar das sogenannte Fast Charging. Eine halbe Stunde sollte dort ausreichen, um den Akku komplett zu füllen.

Die von VW zum Testwagen dazugelieferte Tankkarte geht schon mal nicht. Wir probieren es mit dem Smartphone: QR-Code scannen, 12,50 Euro per Kreditkarte bezahlen und eine halbe Stunde tanken. So einfach sollte es eigentlich sein. Ist es aber nicht. Unser E-Golf erkennt das Kabel nicht – oder es fließt kein Strom. Wir sind etwas hilflos und versuchen zunächst, den Betreiber der Ladestation Allego zu erreichen. In der Berliner Zentrale geht niemand ans Telefon – klar, ist ja auch Freitag. Eine niederländische Nummer auf der Webseite von Allego ist nicht vergeben, wie uns eine automatische Ansage glaubhaft versichert.

Jetzt bleibt uns nur noch, bei VW in Wolfsburg anzurufen. Wir sehen uns im Geiste schon den Wagen am Neuruppiner Bahnhof abstellen und per Zug zurück nach Berlin fahren. Inzwischen reicht der Akku nämlich nur noch für gut 40 Kilometer.

In Wolfsburg haben sie noch keinen Feierabend und ein netter Mitarbeiter rät uns, eine weitere Ladestation aufzusuchen. Es sei nämlich schon des Öfteren vorgekommen, dass die E-Tankstellen nicht funktionierten. Unsere letzte Chance steht bei den Stadtwerken Neuruppin. Für den orangefarbenen Kasten holen wir uns beim Pförtner einen Schlüssel und dürfen dann laden. Sogar kostenlos! Die Euphorie verpufft ein wenig, als wir aufs Display schauen: kein Fast Charging. Über 4 Stunden müsste unser Zwischenstopp in Neuruppin dauern, wenn wir volltanken wollten. Wollen wir aber nicht. Wir filmen und fotografieren ein paar mitgebrachte 360-Grad-Kameras am Ententeich in der Nähe und schwupps sind zwei Stunden vergangen.

Mit ausreichend Ladung werden wir auf der Heimfahrt nach Berlin übermütig und testen die Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h von auf dem Tacho angegebenen 160. Nicht schlecht. Inzwischen dämmert es.

Da wir den Wagen nicht leergefahren an unseren Testerkollegen abgeben wollen, legen wir einen letzten Stopp am VW-Autohaus ein. Unglücklicherweise scheint die Ladesäule aber schon belegt zu sein! Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Station zwei Anschlüsse besitzt – aber nur einen Parkplatz. Mit etwas Einparkgeschick und kräftigem Zug am Kabel klappt es aber trotzdem. Fast Charging sei Dank ist das Auto nach knapp 20 Minuten auch schon wieder ausreichend aufgeladen.

Wir stellen fest: Einfach losfahren ist mit einem Elektro-Auto nicht drin. Auf dem flachen Land gibt es zu wenig Ladestationen und wenn etwas schiefgeht, heißt es entweder ewig warten, bis der Wagen mit Hausstrom geladen ist oder beten, dass die nächste Ladestation frei ist und auch funktioniert.

Im Dunkeln stellen wir mittels Einparkhilfe den E-Golf wieder auf dem Firmenparkplatz ab. Unser Ausflug hat statt der geplanten 6 ganze 11 Stunden gedauert. Feierabend!

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Matin 10. Dez 2017

Ich fahre seit mehr als 10 Jahren elektrisch. Eure Erfahrungen sind eher normal. Ich bin...

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