Video: Cowboy 3 versus Vanmoof S3 - Test der Purismus-Pedelecs

Gibt es nur Platz für einen in dieser Stadt?

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Cowboy 3 versus Vanmoof S3 - Test der Purismus-Pedelecs

Cowboy aus Belgien und Vanmoof aus den Niederlanden haben in diesem Jahr ihr drittes Modell vorgestellt und wir sind einige Hundert Kilometer mit den Pedelecs geradelt. Um es gleich vorwegzunehmen: Grobe Schnitzer leistet sich keines von beiden, aber in den Details unterscheiden sich die auf den ersten Blick recht ähnlichen Räder stark.

Ausstattung

Wer sich das Vanmoof S3 näher ansieht, entdeckt einige Details, die bei anderen Rädern fehlen. Da wären zunächst zwei mit den Daumen bedienbare Knöpfe am gebogenen Lenker. Der rechte schaltet den Boost ein, der linke löst die Klingel aus - deren Sound kann in der App eingestellt werden. Hier justieren wir auch die automatische Schaltung und stellen die Unterstützungsstufe ein. Am Hinterrad befindet sich ein glänzender Metallknopf, darüber gibt es auf dem Rahmen und der Nabe weiße Markierungen. Liegen diese übereinander, kann man mit einem leichten Stups des Fußes auf den Knopf das Fahrrad sichern. Auf dem Oberrohr werden auf einer großen LED-Matrix Status-Informationen und die aktuelle Geschwindigkeit angezeigt. Wenn das angeschlossene S3 bewegt wird, gibt ein einen Warnton. Das Rad wiegt 19 Kilogramm.

Der Motor sitzt beim S3 in der Frontnabe, der Akku ist im Rahmen verbaut und kann nicht zum Laden herausgenommen werden. Das ist auch unser größter Kritikpunkt an der ansonsten soliden Ausstattung des Pedelecs.

Das Cowboy 3 ist noch schnörkelloser als das ohnehin schon minimalistische Vanmoof S3. Es gibt weder Knöpfe noch Schalter, im Oberrohr leuchten lediglich ein paar LEDs zur Akkustandsanzeige. Der Motor sitzt beim Cowboy in der hinteren Nabe und der Akku lässt sich zum Laden entfernen - ein Pluspunkt für die Belgier. Das Rad ist mit knapp 17 Kilogramm extrem leicht für ein Pedelec.

Unser Testmuster hat vorinstallierten Schutzbleche, die ansonsten für 90 Euro mitbestellt werden müssen. Was wir schmerzlich vermissen, ist ein Ständer. Das Cowboy verfügt über einen wartungsarmen Riemenantrieb von Gates, was in dieser Preisklasse eher unüblich ist.

Die hauseigene App ist wie beim Vanmoof nötig, um das Rad zu aktivieren und reflektiert ansonsten den Purismus des Rades: Licht an oder aus, Unterstützung aktiv oder nicht. Dank der Auto-Unlock-Funktion geht das Rad automatisch an, sobald man sich darauf setzt.

Fahrverhalten

Das Cowboy unterstützt ab dem Antreten unmittelbar und exakt so kräftig, wie wir in die Pedale gehen. Dieses Fahrverhalten stellten wir während der gesamten Zeit fest: Es war, als lese das Rad unsere Gedanken. Wir haben noch nie auf einem Pedelec gesessen, das uns so derart vergessen lassen hat, dass wir nur einen Teil der Antriebskraft beisteuern.

Hinzu kommt, dass das Cowboy absolut - und wir meinen absolut - totenstill ist. Nicht nur hören wir keinen Motor, auch der Riemenantrieb arbeitet natürlich lautlos und das Rollgeräusch der Reifen ist kaum hörbar. Das ist ein echtes Erlebnis. Dabei ist die Übersetzung so gut gewählt, dass wir auch motorfrei angenehm vorankommen. Das gilt natürlich im Flachland eher als in bergigen Regionen. Wir möchten keinesfalls steile Anstiege mit dem Cowboy bestreiten, ob mit oder ohne Unterstützung. Wer jedoch auch eigene Muskelkraft mit einbringen möchte, ist hier richtig.

Das Vanmoof S3 fühlt sich eher so an, wie wir es bei einem Pedelec erwarten würden - die Unterstützung ist gleichmäßig und unaufdringlich. Positiv finden wir, dass der Frontmotor uns nicht zu ziehen scheint.

Das Highlight ist hier die Boost-Taste rechts am Lenker. Ein Druck genügt und der Motor gibt vollen Schub - so lange, bis der Akku leer ist, wenn man es darauf anlegt. Das muss man aber gar nicht, es macht uns viel mehr Spaß, einfach an jeder Ampel auf Knopfdruck in drei Sekunden auf 25 km/h zu beschleunigen. Äußerst gewöhnungsbedürftig ist dagegen die vollautomatische Nabenschaltung. Da wir den Schaltpunkt zwar in der App für jeden Gang einzeln festlegen können, jedoch keine Rückmeldung über den Schaltvorgang selbst bekommen, gibt es gerade am Anfang beim Übergang vom zweiten zum dritten Gang immer wieder Schrecksekunden.

Dass wir zum Wechsel der Unterstützungsstufe das Telefon herausnehmen müssen, empfinden wir als lästig. Wahlweise kann man auch anhalten und die rechte Lenkertaste länger gedrückt halten, um durchzuschalten.

Fazit

Auch wenn das Cowboy in unserem Test knapp gewinnt - es ist definitiv Platz für beide Purismus-Pedelecs in der Stadt. Wir finden das Vanmoof auf unserer Pendelstrecke von 30 Kilometern alltagstauglicher, wir brauchen nicht immer die sportliche Herausforderung wie beim Cowboy. Wir sitzen auf dem Vanmoof angenehm gerade und haben dank weicherer Bereifung keine Probleme mit Kopfsteinpflaster. Beim Cowboy 3 vermissen wir zwar einen Ständer, das Fahrgefühl ist unserer Ansicht nach aber bislang unerreicht. Weniger ist in diesem Fall mehr, wir vermissen weder eine Schaltung noch die sonst üblichen Unterstützungsstufen.

Am Ende sollte wie immer eine Probefahrt den Ausschlag geben - wir sind sicher, dass man von beiden Pedelecs mit einem Lächeln auf dem Gesicht absteigt.

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